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2009
Bilder © Universum
** Fame
kevin tancharoen


10000 Bewerber jedes Jahr aber nur ein paar Hundert haben die Ehre an der berühmten New York School of Performing Arts aufgenommen zu werden, ihr Talent weiter zu entwickeln um vielleicht etwas ganz großes zu erreichen. Nicht jeder ist allerdings den musikalischen, tänzerischen oder schauspielerischen Anforderungen gewachsen.

Mit Tanz- und Musikfilmen fürs junge Publikum kann man Kasse machen. Auch heute noch. Disneys "High School Musical"-Filme haben es vorgemacht, zwischendrin gab's "Stomp the Yard" und noch zweimal "Step Up"-Gehopse. Günstig produziert, mit No-Names besetzt, Hip-Hop, Rap oder Weichspülpopsongs im Soundtrack untergebracht und die obligatorische Romanze keimfrei im wackligen Plotgerüst integriert. Da springt dann auch mal die Chartposition #1 am ersten Spielwochenende heraus.

1980 brachte Alan Parker einen Musikfilm in die Kinos, der heute zu den Klassikern des Genres gezählt wird. "Fame" heißt das Werk und liefert jetzt knapp 30 Jahre später die Vorlage für einen überflüssigen Neuaufguss. Damals gab es für Komponist Michael Gore zwei Oscars. In die Verlegenheit kommt die Academy diesmal nicht, denn die musikalische Untermalung des Remakes hat keinerlei erinnerungswürdige Melodien, wirkt geradezu beliebig aus dem Hip-Hop/Rap-Einheitsbrei wahllos zusammengestellt. Selten sieht man ein gut abgestimmtes Szenario in Bild und Ton wie ansatzweise bei der Halloweenparty.

Schweiß wird fließen kündigt man den neuen Schülern zu Beginn ihres ersten von vier Studienjahren an. Könnte spannend werden (?). Was man als Zuschauer aber vorgesetzt bekommt sind die typischen Klischeefiguren, die ausgesprochen emotionslos agieren und es nicht schaffen den Funken überspringen zu lassen. Auch die vielversprechende Besetzung der Lehrkörper verpufft wirkungslos, weil sie keine Gelegenheit bekommen ihr Können zu demonstrieren. Das würde auch die ohnehin bescheidene Leistung der in den Mittelpunkt gerückten jungen Akteure des Films in noch schwächerem Licht erscheinen lassen.

Kelsey Grammer, Bebe Neuwirth und Megan Mullaly haben in ihren jeweiligen Rollen in den Sitcoms "Frasier" bzw. "Will & Grace" grandios unterhalten. Doch jetzt wo die Serien nicht mehr produziert werden wundert man sich schon mit welchen unterfordernden Rollen sie sich z.T. zufrieden geben. Hier jedenfalls hätte man die kleinen Parts auch mit unbekannten Schauspielern besetzen können. Weniger Eindruck hätten die auch nicht machen können. Durchweg nette Lehrer, tolle Pädagogen bei einer knallhart auf Leistung zielenden Ausbildung ... das ist dann doch zu märchenhaft ... und langweilig. Wo bleiben die Reibungsfelder ?

Da nützt es auch nichts, wenn "aufrüttelnde" Events kurz und knapp in 2-3 Minuten nach Checkliste abgehakt werden. Z.B. die Eltern, die böse auf ihr Kind sind, weil sie statt stur klassische Musik zu studieren auch gerne mal über den Tellerrand hinausschaut und rappt. Oder die ehrgeizigen Songschreiber, die lernen müssen, dass man nicht jedes Wort eines potentiellen Musikproduzenten auf die Goldwaage legen darf. Und dann gibt es auch noch den jungen Filmemacher, der naiv 5.000 Dollar einem Fremden anvertraut, weil der verspricht seine Karriere zu fördern. Nicht zu vergessen die berühmt-berüchtigte Besetzungscouch mit der ein gutgläubiges Mädchen mit TV-Serien-Ambitionen Erfahrung macht.

Bei vielen Einzelschicksalen findet das modernisierte Drehbuch von Allison Burnett keine Zeit etwas tiefer in die Problemfelder einzutauchen sondern streift sie nur oberflächlich, ja fast unmerklich. Da kann ein emotionaler Bezug zum Publikum gar nicht erst aufgebaut werden. Harmonie ist fast immer Trumpf, allein schon die erste improvisierte Jamsession der Dutzenden Neustudenten funktioniert spitzenmäßig, garantiert ungeprobt. Nur einmal wird ansatzweise gelitten, als ein junger Student der Karriere wegen von seiner Freundin abserviert wird. Interessieren tut einen das aber längst nicht mehr.

Emotionen, ja die gab's beim "Highschool-Musical" und bei "Step Up". Und das ist Abwechslung, die man hier schmerzlich vermisst. Knallerfilme waren das zwar auch nicht, doch verdienen sie nach dem faden Erlebnis "Fame 2009" im nachhinein eine (kleine) Aufwertung. Und selbst in der Parodie "Dance Flick - Der allerletzte Tanzfilm" war stellenweise mehr Schwung.

Das Kapitel "überflüssige Remakes" bekommt einen weiteren Eintrag. Unter mitreißender Tanzchoreographie und flottem Soundtrack versteht Regisseur Kevin Tancharoen wohl etwas anderes als der geneigte Zuschauer. Bei einer Lauflänge von 107 Minuten passiert hier einfach viel zu wenig interessantes um den Film dem Musikfreund ans Herz zu legen. Da empfiehlt sich lieber der Blick zurück ins Jahr 1980.


Text © Markus Klingbeil
VÖ: 11.11.2009

Fame

USA 2009. Farbe. Originalsprache: Englisch. Länge: 107 Min. Bildverhältnis: 2.35:1 Kinostart: 25.09.2009 (USA) 24.12.2009 (D). Budget: 18 Mio. USD Einspiel: 22.3 Mio. USD (USA) 41.6 Mio USD (weltweit) Regie: Kevin Tancharoen. Screenplay: Allison Burnett, Christopher Gore (1980 motion picture "Fame") Kamera: Scott Kevan. Schnitt: Myron I. Kerstein. Musik: Mark Isham. Darsteller: Kay Panabaker, Naturi Naughton, Kherington Payne, Megan Mullally, Bebe Neuwirth, Debbie Allen, Asher Book, Cody Longo, Charles S. Dutton, Walter Perez, Kelsey Grammer

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© Layout, Text: Markus Klingbeil, Bilder: Filmverleih