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2013

Bilder © Bildkraft
**** Workers
josé luis valle


Tijuana/ Mexiko 1999. Rafael und Lidia waren einst ein Paar. Ein tragisches Unglück hat sie voneinander entfernt und zwei separate Lebensstränge haben sich entfaltet.

„Workers“ ist das Langfilmdebüt des Mexikaners José Luis Valle, der zuvor schon einige Kurzfilme und eine Dokumentation realisierte. Sein Vater hat ihn darauf gebracht in einem Film Arbeit und Alter zu thematisieren als er sagte er könne keine langfristigen Pläne mehr machen. Valles Protagonisten Rafael und Lidia haben ihr ganzen Leben lang für andere geschuftet und jetzt nach 30 Jahren droht ihnen der Lohn für eine gute Rente aus den Fingern zu gleiten. Getrennt nimmt sich Valle die Geschichten der beiden vor und lässt den Zuschauer in ruhigen Bildern an deren Leben teilhaben. Rafael (Jésus Padilla) stammt ursprünglich aus El Salvador und hat seinen Status als Bürger Mexikos nie legalisiert. Als Arbeiter in einer Glühbirnenfirma muss er feststellen, dass seine vorbildliche Arbeitsauffassung und sein tadelloses Verhalten bzgl. des Pensionswunsches wenig nutzt. Er könne von Glück sagen, dass er weiter hier arbeiten könne und nicht der Einwanderungsbehörde gemeldet würde wird Rafael trocken mitgeteilt. Lidia (Susana Salazar) ist seit Jahrzehnten Haushälterin einer reichen, gehbehinderten älteren Frau und lebt mit ihr und einigen anderen Angestellten auf dem Anwesen. Wenn die rote Lampe in Lidias Zimmer leuchtet, dann bedeutet das aufzustehen und sich zu kümmern, denn die 24-Stunden-Versorgung der Dame ist ihre Aufgabe. Zu den wichtigen Pflichten gehört dabei auch sich um die „Prinzessin“ zu kümmern, die heißgeliebte Windhündin, die sogar ein voll ausgestattetes Zimmer mit Bett für sich alleine hat. Das aufs Gramm abgewogene Stück Fleisch und Ausflüge mit dem vom Privatchauffeur gesteuerten Mercedes gehören dabei zum Tagesprogramm von Prinzessin.

Die Art und Weise wie Valle (hat auch das Drehbuch geschrieben) seine Geschichte erzählt erinnert an die Werke des Holländers Alex Van Warmerdam. Lange Kameraeinstellungen, schöne Auswahl der Bildmotive und der Genuss der Langsamkeit und genauen Beobachtung. Nicht ganz so schräge Charaktere zeigt Valle hier wie seine europäischer Kollege, die sind aber nicht minder interessant. Exzentrische Reiche, gnadenlose Vorgesetzte und die versuchte Machtausübung sogar über den Tod hinaus sorgen in „Workers“ für eine tragisch-komische Komponente. Dabei wird hier nichts theatralisch überzeichnet sondern Valles Figuren sind ruhige Menschen, haben sich mit der Situation abgefunden, dass sie ihr Leben für ihren Job „geopfert“ und kaum für sich selbst gelebt haben. Die Routine der Arbeit hat sie längst eingefangen, doch ein letztes Aufbäumen, was man ihnen fast nicht mehr zutraut, steht bevor. Denn ein gerechter Lohn muss bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses herausspringen. Valle vertraut dabei auf die Intelligenz des Zuschauers, verliert nicht viele Worte, geht sparsam mit Dialogen um, nutzt das prächtige Cinemascope-Format um die Informationen über die abwechselnd geschilderten Lebensumstände von Rafael und Lidia zu transportieren. Alle Schauspieler, auch in Nebenrollen, überzeugen mit ihren Bemühungen eine zweistündige Geschichte mit Substanz unterhaltsam zu gestalten. Bei der Berlinale 2013 lief „Workers“ in der „Panorama“-Reihe und wurde später auch regulär in Deutschland in ausgewählten Kinos gezeigt.

DVD (Bildkraft, Code 2, PAL, 117 min) ... ab 01.07.2014 im Handel

Bild: 2.35:1 (anamorph); gut.
Untertitel: deutsch (optional, gelbe Schrift, doppelzeilig, am unteren Bildrand; leider nicht immer so gut lesbar, weil Buchstaben keine schwarze Umrandung haben und sich daher schlechter vom Hintergrund abheben).
Ton: DD 5.1 Spanisch, frontlastig; gut. (auf dem DVD-Cover steht fälschlicherweise Stereo 2.0)
Extras: Deutsch untertitelte Trailer im O-Ton (16x9): „Workers“, „Paulista“, „A Floresta De Jonathas“ plus deutschen Trailer von „Silvi“; Diashow (3 min)

Wer ruhige Bilder aushält und auf hektischen Dialogfluss verzichten kann, der findet in „Workers“ eine stimmungsvolle, interessante Geschichte über die Arbeit und das Alter.

Text © Markus Klingbeil
29.06.2014

Workers

Mexico/D 2013. Farbe. Originalsprache: Spanisch. Länge: 117 Min. (PAL) Bildverhältnis: 2.35:1 Kinostart: 12.12.2013 (D). Budget: n/a Regie: José Luis Valle. Drehbuch: José Luis Valle. Kamera: César Gutiérrez Miranda. Schnitt: Óscar Figueroa. Musik: Emilio Kauderer. Darsteller: Jesus Padilla, Susana Salazar, Barbara Perrin Rivemar, Sergio Limon, Vera Talaia, Adolfo Madera, Giancarlo Ruiz, Jonny Lewis.
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© Layout, Text: Markus Klingbeil, Bilder: Filmverleih