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2012
Bilder © Majestic / 20th Century Fox
*** Ausgerechnet Sibirien
ralf huettner


Ein sehr korrekter Angestellter eines deutschen Modeversandhandels wird zur Außendienststelle nach Sibirien geschickt um Logistikprobleme zu lösen und die Versandabwicklung zu optimieren.

Kulturclash ja es ist wieder soweit. Joachim Król hatte sich vor langer Zeit mal nach Finnland aufgemacht (Zugvögel einmal nach Inari) und ließ sich dabei auch nicht von einem störrischen Chef abhalten. Jetzt ist es etwas anders, denn Król muss ins fremde Ausland, weil das sein Chef so will. Król spielt Matthias Bleuel, geschieden, der sich auf eine Abenteuerreise 6000 Kilometer gen Osten aufmacht und schnell merkt, dass hier die Begriffe Disziplin und Ordnung anders ausgelegt werden als zu Hause. So verläuft schon die Anreise chaotisch Die Geschichte beginnt also locker und lustig entwickelt aber zunächst wenig dramaturgisches Überraschungspotential. Vor Ort in Kemerovo sprechen alle russisch, der junge Übersetzer nimmt es mit der Genauigkeit der Worte nicht so genau und so wird das Eis zwischen den Kulturen schnell gebrochen, weil die Mitarbeiter einfach knuffige Typen sind bei denen man mit bierernster Miene nichts erreichen kann. Als Bleuel dann zufällig Ohrenzeuge von Kehlkopfgesang wird ist er von der Darbietung und der Sängerin hingerissen. Die muss er wiedersehen rattert es in seinem Kopf und das Roadmovie durch die Weiten des Landes nimmt holprige Fahrt auf und die viele Begegnungen mit den Menschen und Traditionen Sibiriens werden zu zentralen Motiven des Films.

Król, seit 2011 ja auch TV-Tatort-Kommissar, überzeugt in dieser skurrilen Komödie. Es macht Spaß ihm bei seiner Reise zuzusehen, wie er die neue Kultur kennen und schätzen lernt, dabei in so einige Fettnäpfchen tritt. Wenn es dann allerdings immer mehr um spirituelle Dinge geht, wir von Schamanen hören und die Schorin mit der wunderbaren Stimme immer mehr Gewicht in der Handlung erhält, dann wird die nette Komödie zum etwas überladenen Arthausdrama, das gewöhnungsbedürftig ist, weil die Leichtigkeit verloren geht. Die neue Frau im Leben des Logistikers wird dabei von Yulya Men verkörpert (gut!), die bisher nur in russischen Produktionen auftrat. Die Übersetzer-Rolle übernimmt der russisch-stämmige Vladimir Burlakov (TV-Drama "Marco W. - 247 Tage im türkischen Gefängnis"). Seine Geschichte, seine Vergangenheit ist allerdings weniger interessant, eher nervt diese Figur zunehmend. Beide haben deutlich mehr Szenen als Katja Riemann, sie spielt Króls Ex-Frau, und Armin Rhode, der den Part des früheren Schulkameraden Holgers übernimmt. Von letzterem Lebemann hätte man gerne etwas mehr gesehen er und Król sind schon ein komisches Paar in den wenigen gemeinsamen Momenten, die uns Regisseur Ralf Huettner (Vincent will Meer) gönnt.

Deutscher Spießbürger verliebt sich in den Weiten Sibiriens und bewertet sein Leben neu. Das ist teilweise recht komisch, zieht sich aber auch stellenweise etwas zäh hin. Die tollen Landschaftsbilder und so manche unterhaltsame Melodie helfen über so manche Drehbuchschwäche hinweg. Thematisch aber eher fürs Arthauspublikum interessant.

Text © Markus Klingbeil
10.05.2012

Ausgerechnet Sibirien

D/RUS 2012. Farbe. Originalsprache: Deutsch/Russisch. Länge: 100 Min. Bildverhältnis: 2.35:1 Kinostart: 10.05.2012 (D). Budget: n/a Einspiel: n/a Regie: Ralf Huettner. Drehbuch: Michael Ebmeyer, Minu Barati. Romanvorlage: Michael Ebmeyer.Kamera: Stefan Ciupek. Schnitt: Chris Lebenzon. Musik: Ralf Hildenbeutel, Stevie B-Zet. Darsteller: Joachim Król, Vladimir Burlakov, Yulya Men, Zoya Buryak, Svetlana Tsvichenko, Armin Rhode, Michael Degen, Katja Riemann

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© Layout, Text: Markus Klingbeil, Bilder: Filmverleih